Muttertät wie Pubertät

Der Übergang zur Mutterschaft

Begriffsherkunft

Wir haben den Begriff „Muttertät” 2021 als deutsches Pendant zum englischen „Matrescence” (geprägt 1973 von der amerikanischen Anthropologin Dana Raphael) eingeführt. 

Seither hat sich der Begriff im deutschsprachigen Raum etabliert und wird von Hebammen, Doulas, in Fachmedien und in der Wissenschaft verwendet.  Er beschreibt die tiefgreifende physische, psychische, emotionale und soziale Transformation, die Menschen beim Übergang ins Muttersein durchlaufen.

Wo bisher oft nur vom “Babyblues” oder von “postpartaler Depression” die Rede war, bieten wir mit Muttertät einen neuen Begriff, der weder pathologisiert noch verharmlost.

Studien (Hoekzema 2016), (Orchard 2023) zeigen: Schwangerschaft und frühe Mutterschaft verändern sogar das Gehirn – strukturell, funktionell und hormonell. So ein starker Umbau findet sonst nur in der Pubertät statt, allerdings nicht in so kurzer Zeit.

Unsere Expertise zur Muttertät

Wir geben unser Wissen in unterschiedlichen Formaten weiter:

  • Lehrtätigkeit (seit 2024)
    Wir unterrichten das Modul “Muttertät” in Doula-Ausbildungen im deutschsprachigen Raum. Aktuell an der Doula Plus Akademie von Klaudia Kadau und im Doula-Training von Milk & Mother 
  • Fachvorträge
    Wir bieten Vorträge zum Thema “Muttertät – die übersehene Entwicklungsphase” an. Zuletzt für Mother Hood e.V., die führende Bundeselternorganisation für Geburtshilfe in Deutschland (2026)
  • Interviews zur Muttertät
    Über unsere Geburtsbegleitungen hinaus sprechen wir regelmäßig in Interviews, Magazinen und Podcasts über Muttertät – siehe Liste weiter unten.

Was bedeutet Muttertät?

Eine übersehene Entwicklungsphase 
Die Pubertät kennt jede*r – die Muttertät (auch Matreszenz, engl. matrescence) dagegen ist kaum bekannt. Dabei ist sie genauso prägend und genauso bedeutsam. In dieser besonderen Lebensphase verändert sich fast alles: Körper, Identität, Beziehungen und oft auch der Blick auf die Welt. So wie die Pubertät Jugendliche auf das Erwachsensein vorbereitet, beschreibt die Muttertät den Übergang zur Elternschaft und doch wird darüber kaum gesprochen.


Genau das ist ein Problem. 
Warum? Weil Sprache Wirklichkeit schafft. Was wir benennen können, wird greifbar. Sprache verbindet uns mit anderen und ermöglicht gegenseitigen Austausch. Fehlen uns die Worte, fühlen wir uns oft allein oder glauben, mit uns stimme etwas nicht.
Die intensiven, oft widersprüchlichen Gefühle, das Vermissen von Gewohntem, die Überforderung – all das erleben viele Mütter.
Trotzdem hält sich der Mythos hartnäckig: Mütter wüssten instinktiv, was zu tun ist. Doch das stimmt nicht. Elternschaft ist kein angeborenes Wissen, sondern ist ein Prozess – mit Höhen, Tiefen und vielen Lernmomenten. Das gilt nicht nur für biologische Mütter, sondern auch für Väter und Adoptiveltern.


Mütter sind wir nicht – Mütter werden wir. 
Und das braucht Zeit, Geduld und Unterstützung.
Darum setzen wir uns dafür ein, die Muttertät im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.

Du steckst gerade selbst in der Muttertät?

Du fühlst dich von all den Veränderungen überfordert und suchst jemanden, der dich versteht und begleitet, ohne zu bewerten? Wir sind für dich da.

Über uns

Natalia Lamotte

Natalia 41, Mutter von 4 Kindern, Autorin, Speakerin  
Begleitung in Deutsch, Englisch, Slowakisch und Polnisch.

Birth is not only about making babies. Birth is about making mothers ~ strong, competent, capable mothers who trust themselves and know their inner strength.

(Barbara Katz Rothman)

Sarah Hacker Galan

Sarah 35, Mutter eines Sohnes, Speakerin 
Begleitung in Deutsch, Englisch, Slowakisch und Polnisch.

Experience of the phenomenal capacity of our birthing body can give us an enduring sense of our own power as woman. Birth is the beginning of life; the beginning of mothering, and of fathering. We all deserve a good beginning.

(Sarah J. Buckley)

1. Was bedeutet Muttertät?

Muttertät beschreibt die tiefgreifende körperliche, psychische, emotionale und soziale Übergangsphase, die Menschen auf dem Weg ins Muttersein durchlaufen. Sie beginnt oft schon mit dem Kinderwunsch, also noch vor der Schwangerschaft. Für viele verändert sich bereits in dieser Phase die Beziehung zum eigenen Körper, der Blick auf das eigene Leben und die Wahrnehmung von Mutterschaft an sich. Der Begriff ist analog zur Pubertät gebildet und macht deutlich: Mutterwerden ist eine eigenständige Entwicklungsphase und kein Zustand, der nach der Geburt einfach „eintritt".

2. Woher kommt der Begriff Muttertät?

Wir, Natalia Lamotte und Sarah Hacker Galan, haben den Begriff „Muttertät" 2021 als deutsches Pendant zum englischen „Matrescence" eingeführt. Der englische Originalbegriff stammt von der amerikanischen Anthropologin Dana Raphael, die ihn 1973 prägte. Uns war wichtig, einen Begriff zu schaffen, der sich selbst erklärt und leicht auszusprechen ist, denn nur so kann Sprache das tun, wofür sie gedacht ist: den Austausch untereinander zu fördern. Seither hat sich „Muttertät" im deutschsprachigen Raum etabliert und wird immer häufiger verwendet.

3. Was ist der Unterschied zwischen Muttertät und Matreszenz?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied, beide Begriffe bezeichnen dieselbe Entwicklungsphase. „Matreszenz" ist die direkte deutsche Übersetzung des englischen „Matrescence". „Muttertät" ist der von uns 2021 geprägte Begriff, der die Analogie zur Pubertät bewusst hörbar macht und den Prozess dadurch greifbarer beschreibt.

4. Wie lange dauert die Muttertät?

Die Muttertät ist kein Zustand mit festem Anfang und Ende. Sie beginnt für viele bereits mit dem Kinderwunsch, setzt sich in der Schwangerschaft fort und kann mehrere Monate bis Jahre andauern – ähnlich wie die Pubertät. Die Muttertät ist kein Zustand mit festem Anfang und Ende. Sie beginnt für viele bereits mit dem Kinderwunsch, setzt sich in der Schwangerschaft fort und kann mehrere Monate bis Jahre andauern – ähnlich wie die Pubertät. Je nach Umständen kann es länger dauern, bis man sich in der neuen Rolle angekommen anfühlt.

5. Was passiert während der Muttertät im Gehirn?

Schwangerschaft und frühe Mutterschaft verändern das Gehirn strukturell, funktionell und hormonell. Die niederländische Neurowissenschaftlerin Elseline Hoekzema wies 2016 nach, dass die graue Substanz in bestimmten Hirnarealen abnimmt – ein Prozess, der mit gesteigerter mütterlicher Bindungsfähigkeit, Empathie und Selbstreflexion assoziiert ist. Eine Folgestudie von Orchard et al. (2023) bestätigte, dass diese strukturellen Veränderungen sogar noch sechs Jahre nach der Geburt nachweisbar sind. Eine vergleichbare Umstrukturierung findet sonst nur in der Pubertät statt, dort allerdings langsamer und in anderen Hirnregionen.

6. Was passiert bei einer erneuten Schwangerschaft?

Auch eine zweite oder dritte Schwangerschaft ist eine eigene Muttertät und nicht die Wiederholung der ersten. Im Gehirn: Eine 2026 in Nature veröffentlichte Studie von Elseline Hoekzema und ihrem Team am Amsterdam UMC konnte erstmals nachweisen, dass sich das Gehirn nicht nur während der ersten, sondern auch während der zweiten Schwangerschaft umgestaltet und zwar an anderen Stellen. Während sich beim ersten Kind vor allem Bereiche verändern, die für Empathie, soziale Wahrnehmung und Bindung wichtig sind, verschiebt sich der Fokus bei der zweiten Schwangerschaft hin zu Netzwerken, die mit Aufmerksamkeit, Reizfilter und Reaktion zu tun haben. Das Gehirn bereitet sich also nicht nur darauf vor, ein Baby zu verstehen, sondern auch darauf, einen komplexer gewordenen Familienalltag zu managen. Emotional ist die Ausgangslage eine andere: Wer schon ein Kind hat, geht nicht mehr als „werdende Mutter" in die Schwangerschaft, sondern als Mutter, die ihre Identität erneut erweitert. Das bringt oft neue Themen mit sich, wie z.B. die Sorge um das ältere Kind, Schuldgefühle, Vergleiche mit der ersten Schwangerschaft, die Frage, wie sich die Familie neu sortieren wird oder auch die Angst, ein zweites Kind nicht genauso lieben zu können. All das ist Teil der Muttertät. Deshalb verdient auch eine erneute Schwangerschaft bewusste Begleitung und Raum für genau das, was diesmal anders ist.

7. Ist Muttertät dasselbe wie postpartale Depression?

Nein. Eine postpartale Depression ist eine medizinische Diagnose und bedarf professioneller Behandlung. Die Muttertät beschreibt dagegen den normalen, gesunden Transformationsprozess des Mutterwerdens. Der Begriff schafft Sprache für ein Erleben, das weder pathologisiert (Depression) noch verharmlost (Babyblues) werden sollte. Wer den Verdacht auf eine postpartale Depression hat, sollte sich an Hebamme, Hausärzt:in oder Therapeut:in wenden. Eine erste Anlaufstelle kann auch die Webseite www.schatten-und-licht.de sein.

8. Was ist mit Vätern und Adoptiveltern?

Auch Väter, Adoptiv- und Pflegeeltern erleben den tiefgreifenden Übergang ins Elternsein – allerdings auf einem anderen Weg. Bei Gebärenden leitet die Schwangerschaft die Transformation unwillkürlich ein: Körper, Hormone und Gehirn verändern sich, ob man sich aktiv darauf einlässt oder nicht. Bei Nicht-Gebärenden ist es die bewusste Entscheidung für das Engagement im Alltag mit dem Kind, die den Wandel anstößt. Wer sich emotional und körperlich einlässt, durchläuft eine vergleichbare Entwicklung. Studien zeigen sogar messbare Veränderungen im Gehirn werdender Väter, die sich aktiv kümmern. Bei Vätern wird teilweise auch von „Vatertät" gesprochen.

9. Wie kann man sich auf die Muttertät vorbereiten?

Bewusstsein ist der erste Schritt. Wer weiß, dass das Mutterwerden eine eigene Entwicklungsphase ist, fühlt sich weniger allein mit widersprüchlichen Gefühlen oder in überfordernden Situationen. Hilfreich sind ehrlicher Austausch unter Eltern, eine vertrauensvolle Begleitung (z. B. durch eine Doula), Wissen über die körperlichen und emotionalen Veränderungen sowie realistische Erwartungen an die ersten Wochen und Monate.

10. Wo gibt es weitere Informationen zu Muttertät?

Wir unterrichten das Modul „Muttertät" in zwei renommierten Doula-Ausbildungen im deutschsprachigen Raum: an der Doula Plus Akademie von Klaudia Kadau und in der Milk & Mother Akademie. Außerdem halten wir Vorträge zum Thema oder haben zahlreiche Interviews geführt (siehe unten). Du möchtest uns buchen? Wir kommen gerne als Speakerinnen zu deiner Veranstaltung oder begleiten dich in einer privaten Session ganz persönlich durch deine Muttertät.

Veröffentlichungen

AEMPF Magazin – Sprache schafft Realität – Die Phase des Mutterwerdens nennt sich Muttertät (18.11.2021)

Anna Schmitz Blog- Interview, Wochenbett: Wie verändert uns das Mutterwerden, Sarah und Natalia? (2023)

Babybox Magazin – Muttertaet die Veränderung der Frau zur Frau und Mutter! (2023)

Elle – Freundin auf Zeit: So hilft eine Doula bei einer selbstbestimmten und friedlichen Geburt (27.2.2022)

Elle – So identitätsverändernd wie die Pubertät: “Muttertät” (14.02.2022) 

Femtastic Du bist keine schlechte Mutter, Du erlebst Muttertät (25.06.2021)

Hebammenblog – Muttertät – damit diese verrückte Zeit endlich einen Namen bekommt (14.12.2022)

Hey Sister! – Willkommen in der Muttertät (14.2.2022)

Leben & Erziehen – Muttertät: So verändert sich das Gehirn von Müttern nach der Geburt (09.11.2024)

Lillydoo MagazinWas ist eine Doula?

Little Years – Muttertät – „Mütter sind wir nicht, Mütter werden wir und das darf dauern.” (28.02.2023)

Men´s Health Dad – Interview Muttertät: Wie sich die Frau verändert, wenn sie ein Kind zur Welt  gebracht hat (24.07.2023)

Mother.now – Die Geburt einer Mutter ist ein Prozess

Pola Magazin„Ist das normal?“ Zwei Doulas im Gespräch über ihre Arbeit und die Muttertät

Stadt Land Mama – Muttertät: Die Wandlung von der Frau zur Mutter – wie die Pubertät? (26.9.2021)

Der Standard – Schwanger, aber unglücklich: “Das ist nicht mein Körper” (11. April 2025)

Tages-Anzeiger – Von der Frau zur Mutter: Schon mal von der «Muttertät» gehört?

Watson – Zweite Pubertät? Doulas erklären das Phänomen der “Muttertät” (9.5.2022)

Welt+ – Was macht eine Doula bei der Geburt – und was darf nur die Hebamme? (20.7.2021)